|
|
Isabel
Allende
Brecht/Zuckmayer
Raymond Chandler
Leonard Cohen
Mark Z. Danielewski
Friedrich Dürrenmatt
Umberto Eco
William Gaddis
Johann Wolfgang von Goethe
Günter Grass
H.J.Ch. v. Grimmelshausen
Thomas Harris
Harry Harrison
Heinrich Heine
Robert A. Heinlein
Wolfgang Hilbig
Kohta Hirano
Hugo von Hofmannsthal
Sven Hillenkamp
Marcus Jensen
Das Kamasutra
Stephen King
Chuck Klosterman
Hildegard Knef
Wolfgang Koeppen
Ursula K. Leguin
Stanislav Lem
Jonathan Littell
Udo Lindenberg
Jack London
Hermann Löns
Daphne du Maurier
Tobias O. Meißner
Stewart O’Nan
Francoise Sagan
Friedrich Schiller
Gerhard Schröder
Gustav Schwab
Mary Shelley
Mickey Spillane
Robert Louis Stevenson
A. & B. Strugatzki
Jules Verne
John Wyndham
Unica Zürn |
Georg
Klein
WIE ICH EIN HELD WURDE
Um mit einem klaren Fall von Feigheit zu beginnen: Nach gründlicher
Erinnerungsarbeit bin ich mir inzwischen sicher, daß ich Schillers
Drama WILLHELM TELL über dreieinhalb Jahrzehnte nicht gelesen habe,
daß ich eine erneute, die zweite Lektüre volle 38 Jahre lang
vermied. Noch Herbst letzten Jahres, als meine Gattin unsere Schiller-Ausgabe
ans Bett holte, und ich mich, ihrem Beispiel folgend, erneut dem abenteuerlichen
Fiesco, dann dem quälenden Wallenstein stellte und schließlich
sogar der herzzerreissenden Maria Stuart nicht aus dem Wege ging, verstand
ich es, den Tell zu umblättern.
Ich tat dies mit dem flauen Gefühl, das Drama noch gut, irgendwie
allzu gut zu kennen. Und wäre ich von einem Unkundigen, zum Beispiel
von einem unserer halbwüchsigen Söhne gefragt worden, was denn
in diesem Stück so geschehe, ich hätte sogleich mit der ersten
Szene des ersten Aufzugs zu erzählen begonnen:
„Hohes Felsenufer des Vierwaldstättersees, Schwyz gegenüber.
Der See macht eine Bucht ins Land, eine Hütte ist unweit dem Ufer,
Fischerknabe fährt sich in einem Kahn. Über den See hinweg sieht
man die grünen Matten, Dörfer und Höfe von Schwyz im hellen
Sonnenschein liegen.“
So hatte ich die Bühne, den Ort meiner Uraufführung, durch die
Jahre sicher vor Augen. Die Öffnung des Guckkastens, in den mein
Blick sank, war annähernd quadratisch, nur ein wenig breiter als
hoch. Die Ecken dieses Schaurechtecks rundeten sich sacht. Das Bild im
Inneren bot vom Ufer über den See bis hin zu den sonnigen Gipfeln
bestes Schwarzweiß, scharfkonturiert und zugleich reich an feinabgestuften
Grautönen. Dem fehlte nichts. Die Bildröhren der deutschen Fernsehgeräte
waren damals, Mitte der 60er Jahre, zweifellos von einer später niemals
mehr erreichten Quälität - von einer Güte, die mich heute
mehr denn je zum Schwärmen verleitet, von einer Qualität, die
sich vollends verklären wird, wenn meine Wille, das gegenwärtige
Außen anzuschauen, eines Tages endgültig in die Knie gegangen
sein wird. Hier bleibt mein Gefühl gewiß. Hier ist gegen gewisse
Gefühle kein Ankommen. Und als ich den Tell nach 38 Jahren halbverhohlener
Erinnerung für den heutigen Tag wiederlas, wurde das großartige
Schwarzweiß, das meine dreizehnjährigen Augen damals im Schnitt
vier Stunden pro Tag genossen, erneut die sich selbst generierende emotionale
Kolorierung.
Um Mißverständnissen vorzubeugen: Ich habe zwar mein erstes
Bühnenstück, mein erstes Ballett und meine erste Oper als Fernsehsendung
gesehen - nicht jedoch Schillers Tell. Aber unsere Begegnung fällt
in meine große Fernsehzeit. Ich las das Stück Mitte der Sechziger
Jahre des vorigen Jahrhunderts - zu der Zeit, als ich bei den Öffentlich-Rechtlichen
lernte, welche Völker und welches Getier über den Globus kreuchen.
Bei ARD und ZDF begriff ich, wie sich die ganze Weite der belebten Welt
in Bilder zerlegt, wie sich über deren Horizont der Spannungsbogen
amerikanischer Vorabendserien spannen läßt und wie ein Held
über eine solche Brücke schreitet:
„Er schreitet verwegen
Auf Feldern von Eis.
Da pranget kein Frühling,
Da grünet kein Reis;
Es donnern die Höhen, es zittert der Steg,
Nicht grauet dem Schützen auf schwindlichtem Weg,
Und unter den Füßen ein neblichtes Meer,
Erkennt er die Städte der Menschen nicht mehr,
Durch den Riß nur der Wolken
Erblickt er die Welt,
Tief unter den Wassern
Das grünende Feld.“
Auch dies ist Fernsehen. Eine doppelte Fernsicht sogar. Denn die Figur,
die diese Verse singt, ein Alpenjäger, steht in der größtmöglichen
erkennbaren Ferne, in der Tiefe der Bühne, auf einem künstlichen
Felsen. Und was der Jäger beschreibt, ist ein zweite Television,
der Blick aus Gipfelhöhe auf uns, auf eine Tiefseewelt, die zwar
grün, also lebendig, aber so weit weg ist, daß selbst unsere
wichtig tuenden Zusammenballungen, die Städte, unidentifizierbar
bleiben.
Diese hochmütige Herabschau ist auch die Perspektive Willhelm Tells,
so er mit der Armbrust dem männlich einsamen Beruf des Jägers
nachgeht. Später, im zweiten Akt, wird seine Frau Hedwig dafür
harsche Worte finden:
"Hedwig:
Denn mich erfüllts mit Grausen, was die Knechte
Von deinen Wagefahrten sich erzählen.
Ich sehe dich im wilden Eisgebirg,
verirrt von einer Klippe zu der anderen
den Fehlsprung tun, seh, wie die Gemse dich
Rückspringend mit sich in den Abgrund reißt.
Wie eine Windlawine dich verschüttet,
Wie unter dir der trügerische Firn
Einbricht und du hinabsinkst, ein lebendig
Begrabener, in die schauerliche Gruft –
Ach den verwegnen Alpenjäger hascht
Der Tod in hundert wechselnden Gestalten,
Das ist ein unglückseliges Gewerb!"
Bild dir bloß nicht ein, daß Du da oben, allein in deinem
Jagdwahn, Heldentaten vollbringst, könnte Hedwig ihrem Gatten auch
sagen. Die Natur wird dich zerquetschen, ohne zu ihrem Muskelspiel das
Gesicht eines Gegners zu entblößen und ohne dir das Antlitz
des Helden zu gönnen. Der Jäger, der der gejagten Gemse nachstürzt,
ist sterbende Kreatur wie diese wilde Ziege. Die mörderische Natur
macht ihn im Handumdrehen zum Nur-Tier, zu einem der Säugetiere,
deren Todesschreie - von der Maus in der Falle bis zum Kalb unterm Beil
- ähnlich elend klingen.
Auch eingangs des Dramas tobt schon bald eine todbringende Natur. In der
Rede der Figuren und zwischen den Felsen aus Pappmaschée zieht
ein fürchterliches Gewitter auf.
„Der Sturm wird da sein, eh wirs denken.“
Meint der Fischer. Aber noch vor dem Sturm erscheint ein Mann in Not („Konrad
Baumgarten atemlos hereinstürzend“) und schon sechzig Verse
später derjenige, dem dieser Baumgarten die Gelegenheit zur Heldentat
schafft, indem er den Anwesenden und uns seine Flucht erklärt:
„Baumgarten:
Ich hatte Holz gefällt im Wald, da kommt
Mein Weib gelaufen in der Angst des Todes.
Der Burgvogt lieg in meinem Haus, er hab
Ihr anbefohlen, ihm ein Bad zu rüsten.
Drauf hab er Ungebührliches von Ihr
Verlangt, sie sei entsprungen, mich zu suchen.
Da lief ich frisch hinzu, so wie ich war,
Und mit der Axt hab ich ihm’s Bad gesegnet.
Die Tat ward ruchbar, mir wird nachgesetzt –
Indem wir sprechen – Gott – verrinnt die Zeit – “
Indem wir lesen – Gott sei gedankt – verrinnt die Zeit anders.
Zwölf Sekunden stille Lesezeit beansprucht der Bericht Baumgartens.
Und ich bin mir sicher, daß es diese acht Zeilen waren, mit denen
das Drama den entscheidenden Anker in mein Gedächtnis senkte. Als
maximal gedrängte Rückblende erzählt Schiller den Versuch
einer sexuellen Nötigung, die Flucht davor und die Vergeltung der
Gewalttat durch Totschlag. Dem Bericht des Geschehens schmiegen sich -
wie einem Knochen die Muskeln - die Affekte an, machtfeiste Geilheit,
Todesangst und Rachewut. Und auch die moralische Bewertung der Tat ist
in den Versen bereits enthalten. Der kategorischen Kommentar des Jägers
Werni „Ihr tatet wohl, kein Mensch kann euch drum schelten.“
ist nur ein Echo zu dem, was in den Worten, die der Dichter Baumgarten
gönnt, schon herzstärkend aufgeklungen ist.
Ohne Zweifel: Baumgarten hat es dem Vogt zurecht besorgt mit seiner Axt.
Schwarzweiß hin. Farbe her. Wer sähe den Schweinekerl nicht
gern in seinem Blute schwimmen. Dennoch ist der in Klang und Bild gelobte
Baumgarten eindeutig kein Held. Er, dessen drohende Gefangennahme Tell
gleich den Anlaß zu einer ersten dramatischen Heldentat geben wird,
liefert nur ein Tun, das an den heroischen Dunstkreis rührt. Sein
schöner Todschlag ist etwas Vergleichbares, etwas, das durch Differenz
dazu beiträgt, die heroische Qualität der Tellschen Handlung
zu verdeutlichen.
Noch bevor der den Verfolgten über den stürmischen See in Sicherheit
bringt, wird von den am Ufer Stehenden in einem enorm flotten Pingpong
aus Fragen, Antworten und Sentenzen durchgesprochen, was gemacht werden
müsse oder wovon man nun besser die Finger lassen solle.
Die hohe Künstlichkeit dieser Szene ist notwendig.
Die Zeit soll drängen, aber zugleich soll sie angehalten werden.
Denn es gibt zwar einen Totschlag, aber wohl kaum eine Heldentat im Affekt.
Das heroische Tun braucht die Verzögerung, die kleine Zwischenzeit
zwischen Anlaß und Tat, die Lücke, in der die zweite Möglichkeit,
die Möglichkeit, nicht zum Helden zu werden, hinreichend verführerisch
aufgeht. Wie jeder vom Schicksal, vom Schriftsteller erkorene Held erhält
Tell die Chance, feig, beziehungsweise vernünftig zu sein: Der süße
Duft der feigen Vernunft mischt sich verführerisch in die Gewitterluft
über den Wassern.
Und dieser Moment, diese Entscheidungsschwebe, muß öffentlich
sein. Es braucht welche, die den potentiellen Helden in seinem Zwiespalt
sehen. Kein Held ohne Publikum, ohne Zuschauer, die mit ihm die Möglichkeiten
des Handelns erwägen. Diese Mitwisser und Beiwohner könnten
im Prinzip stumm bleiben. Sogar auf der Bühne kann es genügen,
daß der werdende Held vor wortlosen Augenzeugen mit seiner Tat niederkommt.
Aber ein taubstummer Zeuge, einer, der auch später nichts sagen kann,
brächte das Heldentum in arge Verlegenheit. Denn wie könnte
ein Tun den vollen Glanz des Heroischen erringen, wenn von ihm nicht gekündet
würde. Den unbekannten Helden gibt es wohl so wenig, wie es den einsamen
Helden gibt. Wenn wir notgedrungen doch von solchen sprechen, dann nur
um denen, die um ihr Heldentum betrogen wurden, eine unzulänglich
bleibende Genugtuung nachzutragen.
Baumgarten verfehlt die Heldentat von Anfang an. Er hätte zumindest
solange warten müssen, bis die allererste Wut verraucht war, bis
ihm von seiner ja glücklich entkommenen Frau zu einem gemeinsamen
Fliehen oder Verbergen geraten worden wäre. Dann, das Angebot der
Vernunft ausschlagend und überlegt zum Mord entschieden, hätte
er den Landvogt mit Glück vor dem Bottich stehend angetroffen, und
der Jagdhelfer, der seinem Herrn eben den Rücken vollends trocken
rubbeln wollte, hätte der Welt vom Sausen der Axt und vom Knacken
des Schädels gekündet. So blindwütig aber, wie es Baumgarten
bei Schiller angestellt hat, muß er nun selbst davon erzählen.
Das macht er mit des Dichters scheinheiliger Hilfe zwar großartig
kompakt, aber ein scheppernder Beiklang von Großtuerei läßt
sich nicht vermeiden, wenn das Gemachte vom Macher selbst publik gemacht
werden muß.
Tell hingegen hat ein schönes Grüppchen aus Fischern, Hirten
und Jägern, die die Genese und den Vollzug seiner Heldentat beobachten
werden, und die sich schon während Tell noch mit den hochgehenden
Wogen des Sees kämpft, in der Propagierung seines Tuns üben
dürfen.
Fast ist das Bild komplett. Aber Schiller wäre nicht der Könner,
der hochemphatische und hochkontrollierte Spannungskünstler, als
den wir ihn in einer einzigen Ballade erkennen können, wenn er dem
Helden und uns in dieser ersten Szene bereits alles gönnen würde.
Etwas fehlt noch, um die Heldentat zu runden. Etwas, das auch Baumgarten
verspielte, als er den stumm entsetzten adeligen Nackedei ohne Verzug
ins ewige Schweigen beförderte. Schiller deutet dieses besondere
Manko hinreichend an, indem er die Reiter des Landvogts das Ufer erreichen
läßt.
„Erster Reiter:
Ha, was seh ich! Teufel!
Zweiter Reiter:
Verwünscht! Er ist entwischt.“
Tell kann nicht mehr hören, wie von den tumben Handlangern der Bosheit
der Teufel angerufen wird, und kann wohl auch nicht mehr sehen, wie sie
die Fischerhütte zerstören und das Vieh der Hirten abmetzeln.
Von einer Antwort, die er ihnen geben könnte, von einem Dialog mit
den Mächten der Niedertracht ganz zu schweigen.
Darauf sollen wir warten.
Im Folgenden, in der Spanne zwischen Heldentat Eins und Heldentat Zwei
sind für uns, die Zuschauer und die Leser, erst einmal gründlich
die Schlimmen am Zuge.
Der eine Vogt droht einem Schweizer Bauern, daß er ihn in Bälde
um sein Haus bringen wird. Ein anderer schindet einen Greis beim Bau einer
Zwingburg und hetzt den Dachdecker in den Unfalltod. Der unschuldige Vater
eines Geflohenen wird statt des Sohnes gefangengesetzt und geblendet.
Der österreichische Kaiser weist die Gesandten der Schweizer ab.
Hermann Geßler, Reichsvogt in Schwyz und Uri, läßt vor
Altdorf seinen Hut auf eine Stange setzen und die Vorbeikommenden unter
Androhung schwerer Strafe zwingen, diese Vogelscheuche ehrerbietig zu
grüßen.
Ein schöne Serie von Schandtaten, von den Figuren des Stücks
erzählt oder in Szene gesetzt. Jedes Mal bleibt ein Gegenzug, eine
Gegentat aus. Es staut sich Erwartung an. Klar, daß es wieder auf
jenen Jäger Tell hinausläuft, der ja eingangs eine Probe seiner
heroischen Potenz gegeben hat. Und schon im ersten Akt wird mit der Errichtung
des Hutes zu Altdorf das dem gebildeten Publikum wohlbekannte Szenario
gesetzt.
Bekannt?
Wie geläufig ist das, was dann auf dem Handlungshöhepunkt des
Stücks am Ende des dritten Akts geschieht, eigentlich wirklich. Ich
habe in unserem nicht repräsentativen Freundes- und Bekanntenkreis
herumgefragt und darum gebeten, mir die Szene kurz zusammenzufassen. Fast
jeder wußte etwas und war bereit, es zu erzählen. Als erstes
wurde stets der Schuß genannt. Tell schießt einen Apfel vom
Kopf eines Knaben. Bei einigen der Befragten war allerdings mit der Nennung
dieser sportiven Höchstleistung der Faden der Geschichte schon zu
Ende. Ein promovierter Germanist war sichtlich überrascht, als ich
ihm verriet, daß es nicht irgendein herziger Schweizer Bub, sondern
Tells Sohn ist, der das Ziel abgibt. „Typisch Schiller!“,
entfuhr es ihm immerhin. Weitgehend Unklarheit herrschte auch über
die Vorgeschichte des Schusses. Wie kommt es dazu? Die meisten konnten
noch sagen, daß Tell irgendwie in der Zwickmühle war, daß
er aus irgendeinem vertrackten Grund schießen mußte.
Aber warum eigentlich?
Weil sein Sohn es unbedingt so wolle, meinte meine Frau, die den Tell
wie ich vor Jahrzehnten in der Schule gelesen hatte. Der Junge wolle partout,
daß sein Vater beweise, wie gut er mit der Armbrust schießen
könne. Der grandiose Bengel, noch ohne Gespür für die Gefährlichkeit
der Waffe, indentifiziere sich so mit den Armbrustkünsten Tells,
daß er den zum Großtun nötige.
Der Hut Geßlers war meiner Gattin, wie einigen der Befragten, im
Lauf der Jahre verloren gegangen. Die Armbrust jedoch wurde von fast von
allen genannt. Zusammen mit der rekordverdächtigen Treffsicherheit
scheint dieses technologische Hilfsmittel am besten im heutigen Wissen
verankert. Ja, vielleicht hat es diese frühe Fernwaffe nur mit Schillers
Hilfe, also gekoppelt an den Schuß seines Tell, bis in die Köpfe
mancher Zeitgenossen geschafft.
In Wirklichkeit, im Drama, geschieht folgendes: Tell erscheint mit seinem
Sohn auf einem Platz vor Altdorf. Er grüßt den Hut nicht. Die
Wachen des Landvogts versuchen daraufhin ihn festzunehmen. Es kommt zu
einem Tumult mit Einheimischen, die der Sohn Tells zu Hilfe gerufen hat.
Das Volk will die beiden Wachen überwältigen, aber Tell verbittet
sich, daß man ihn befreit. Er behauptet, sich selbst helfen zu können.
Geßler und sein Gefolge erscheinen zufällig. Der Landvogt zwingt
Tell zum Apfelschuß, indem er droht, ihn anderenfalls mit seinem
Sohn zu töten. Tell gelingt der Schuß. Er gibt zu, einen weiteren
Pfeil bereitgehalten zu haben, um Geßler zu erschießen, falls
der erste Schuß den Sohn getroffen hätte. Er wird von Geßler
mit der Ankündigung lebenslanger Kerkerhaft festgenommen.
Als ich mich nach langer Tell-Abstinenz wieder auf diese Szene zulas,
wuchs in mir ein merkwürdiges Unbehagen. Etwas, eine Art feiger Vernunft,
wollte mich verführen, das nun Frisch-Vorzustellende zu überblättern
oder nur diagonal zu lesen oder es, wenn es schon unbedingt aufgenommen
werden müßte, zumindest recht zügig zu überfliegen.
Ein inniges Unbehagen flüsterte mir zu, diese Apfelschußszene
sei doch jedermann mehr als bekannt. Sie sei auch in mir von einer allzu
großen Bekantheit vernutzt und dabei irgendwie auf eine peinliche
Weise zu Schanden gekommen.
Bewußt langsam weiterlesend, war ich dann aber schnell überrascht
von einigem, was sich nicht übersehen ließ. Gleich eingangs
etwa läßt Schiller merkwürdig unklar, warum Tell den Hut
nicht grüßt. Als der sich dem auf eine Stange gepflanzten und
von zwei Bewaffneten bewachten Popanz nähert, unterhält er sich
mit seinem Sohn, der ihn dann prompt nach dem Hut fragt, als sie direkt
vor ihm ankommen.
„Tell:
Was kümmert uns der Hut? Komm laß uns gehen.“
Eine merkwürdige Antwort, jetzt wo es fast zu spät ist. Das
heißt, ganz zu spät ist ja nicht. Tell könnte durchaus
noch schnell den gebotenen Buckel machen. Unmöglich, daß er
nichts von der Anordnung Geßlers weiß. Er war dabei, als im
ersten Akt der Hut durch Altdorf getragen wurde und man ausrief, was von
den Einheimischen verlangt wird. Er hat damals auf offener Bühne
auch mitbekommen, wie sich seine Landsleute sofort verabreden, dem Hut
konsequent aus dem Wege zu gehen.
Zu Beginn der Apfelschußszene fassen die Hut-Bewacher das Gelingen
dieser Vermeidungsstrategie dann so zusammen:
„Friesshardt:
Wir passen auf umsonst. Es will sich niemand
Heranbegeben und dem Hut sein’ Reverenz
Erzeigen. ’s war doch sonst wie Jahrmarkt hier,
Jetzt ist der ganze Anger wie verödet,
Seitdem der Popanz an der Stange hängt.
Leuthold:
Nur schlecht Gesindel läßt sich sehn und schwingt
Uns zum Verdrieße die zerlumpten Mützen.
Was rechte Leute sind, die machen lieber
Den langen Umweg um den halben Flecken.“
Es folgen noch zwei weitere Beispiele, ein erzähltes und ein szenisches,
dafür, wie gewieft man mit Geßlers Attentat auf die Würde
des einheimischen Ehrenmannes umzugehen versteht. Alle wissen sich in
klugen Akten passiven Widerstands zu helfen. Ausgerechnet Tell sollte
zu dämlich hierfür sein?
Seine Frau Hedwig ahnte Ungutes, denn sie hat noch fast unmittelbar vorher,
in der ersten Szene des Dritten Akts, versucht, Tell an seinem Gang nach
Altdorf zu hindern:
„Hedwig:
Der Landvogt ist jetzt dort. Bleib weg von Altdorf.“
Als ihr mißlingt, den Gatten stattdessen auf die Jagd zu schicken,
will sie ihn zumindest dazu bringen, daß er die Armbrust zuhause
läßt. Aber hiermit scheitert sie ebenso, wie damit, ihn an
der Mitnahme des älteren Sohnes Walter zu hindern.
Tell will es offensichtlich genau so: Er will in Altdorf auftauchen, solange
Geßler dort weilt. (Schon am nächsten Tag wäre Geßler
nicht mehr da.) Und er will bei ihrem Zusammentreffen die Armbrust zur
Hand und den Sohn an seiner Seite haben.
„Sinnst Du auch nicht Gefährliches? Gesteh mirs.“
Tell weicht dieser Frage seiner Frau aus, gesteht ihr aber wenige Verse
später stattdessen etwas anderes. Die Sache, mit der er nun überraschend
herausrückt, die er seiner Gattin bislang verschwiegen hat, ist keine
Kleinigkeit. Erst vor kurzem ist er mit Geßler im Gebirge zusammengetroffen:
„Tell:
Es ist nicht lange her,
Da ging ich jagen durch die wilden Gründe
Des Schächentals auf menschenleerer Spur,
Und da ich einsam einen Felsensteig
Verfolgte, wo nicht auzuweichen war,
Denn über mir hing schroff die Felswand her,
und unter rauschte fürchterlich der Schächen,
Da kam der Landvogt gegen mich daher,
Er ganz allen mit mir, der auch allein war,
Bloß Mensch zu Mensch,
Bloß Mann zu Mann, und neben uns der Abgrund.
Und als der Herre mein ansichtig ward
Und mich erkannte, den er kurz zuvor
Um kleiner Ursach willen schwer gebüßt,
und sah mich mit dem stattlichen Gewehr
Dahergeschrittenkommen, da verblaßt’ er,
die Knie versagten ihm, ich sah es kommen,
Daß er jetzt an die Felswand würde sinken.
Da jammerte mich sein, ich trat zu ihm
Bescheidentlich und sprach: Ich bins, Herr Landvogt.
Er aber konnte keinen armen Laut
Aus seinem Munde geben – Mit der Hand nur
Winkt’ er mir schweigend, meines Wegs zu gehen,
Da ging ich fort und sandt ihm sein Gefolge.“
Hedwig zieht den einzigen vernünftigen Schluß, der sich aus
dieser Begegnung Mann gegen Mann am Abgrund ziehen läßt:
„Er hat vor dir gezittert – Wehe dir!
Daß du ihn schwach gesehn, vergibt er nie.“
Tell antwortet:
„Drum meid ich ihn, und er wird mich nicht suchen.“
Das ist, in Anbetracht dessen, was er gerade zu tun anhebt, nahezu absurd.
Eigentlich müßte er sagen:
„Meiden kann ich den nicht, den muß ihn suchen.“
Aber dann hätte es seine Frau wohl endgültig vor ihm gegraut.
Es wird ihr in der Tat grauen, als sie dann von seinem Schuß nach
dem Apfel auf den Locken ihres gemeinsamen Kindes hört:
„Oh rohes Herz der Männer! Wenn ihr Stolz
Beleidigt wird, dann achten sie nichts mehr,
sie setzen in der blinden Wut des Spiels
Das Haupt des Kindes und das Herz der Mutter!“
Das sagt sie im Vierten Akt, wo sie zwar ihren Sohn wohlbehalten zurückerhält,
aber davon ausgehen muß, daß ihr Mann den Rest seines Lebens
die Sonne nicht mehr sehen darf.
Als ihr dieser dann wider Erwarten und gegen alle Wahrscheinlichkeit vom
Schicksal, vom Dicher in der letzten Szene doch zurückgegeben wird,
flackert das Grauen, daß ihr das ‚Spiel‘ Tells, daß
ihr das Spiel der Männer einflößt, noch einmal kurz auf.
Sie selbst hat für diesen Grusel allerdings keine Worte mehr. Aber
ihr Sohn Walter, der, der den Apfel auf dem Scheitel balancierte, darf
beobachten und beschreiben, wie seine Mutter noch einmal das Entsetzen
vor dem Potential des Gatten anfaßt:
„Tell:
Da bin ich wieder – Wo ist Eure Mutter?
Walter:
Da steht sie an der Tür und kann nicht weiter,
So zittert sie für Freude und für Schrecken.“
Hedwig hat allen Grund zu zittern, nicht nur vor ihrem heldenhaften Gatten,
sondern auch vor ihrem herzigen Söhnchen Walter. Der hat sich nämlich
eingangs der Szene endgültig als Sproß vom selben Holze zu
erkennen gegeben. Als Hedwig Walter das Eintreffen des Vaters für
den heutigen Tag avisiert, zeigt der Bengel in schöner Unbefangenheit,
wie er die Apfelschußszene im Rückblick sieht und für
sich und sein kommendes Leben deutet:
„Walter:
Und ich bin auch dabei gewesen, Mutter!
Mich muß man auch mit nennen. Vaters Pfeil
Ging mir am Leben hart vorbei, und ich
Hab nicht gezittert.“
Das ist das Heldenspiel. Walter hat es mit großen Knabenaugen gesehen,
am eigenen Leib gespürt und sein Wesen begriffen.
Hedwig jedoch tut für den knappen Rest des Stücks notgedrungen
so, als wäre nichts gewesen. Und auch Tell scheint von einer merkwürdigen
Amnesie befallen. Schiller greift den beiden allerdings bei diesem blinden
Wieder-Zusammenkommen dramatisch kräftig unter die Arme, indem er
in die letzte Szene eine Art figürlichen Blitzableiter installiert.
Verkleidet als Mönch erscheint Johannes, Herzog von Schwaben. Er
ist auf der Flucht, weil er seinen Onkel, den Kaiser, der ihn um sein
Erbe betrügen wollte, erschlagen hat. Und wie er erkennt, daß
er ausgerechnet bei Tell, dem Mörder Geßlers gelandet ist,
erwartet er natürlich ein wenig Mitgefühl, ja Solidarität.
Aber stattdessen überschüttet ihn zunächst Hedwig mit dem
grellsten Ausruck jenes Grausens, das ihr doch ursprünglich angesichts
der Taten ihres Gatten gekommen ist. Und dann gibt Tell den Sophisten
und weißt dem armen Johannes trickreich nach, daß ihre Mordtaten
so gut wie nichts gemein hätten.
Ein feiges, ein übel vernünftelndes Spiel: Johannes wird als
ein rechter Sündenbock über den Gotthard nach Italien ausgetrieben.
Da müßte doch eigentlich mit dem Bühnenfahrstuhl direkt
aus der Hölle der Geist Geßlers erscheinen, um diesen allzu
bieder gewordenen Tell an ihr Spiel, an ihr großes heroisches Spiel
unter Männern zu erinnern.
Denn als die beiden vor dem Hut zusammentrafen, wurde nicht herumvernünftelt.
Tell macht keinen Versuch, den Hut noch nachträglich zu grüßen
und so seinen Kopf retten. Und auch Geßler legt keinerlei Wert darauf,
ihn vor der versammelten Menge durch einen solchen Akt zu demütigen.
Stattdessen bringt Tell, angesprochen auf den unterlassenen Gruß,
auf eine halbverhohlene Art sein besondere Potenz ins Spiel:
„Wär ich besonnen, wär ich nicht der Tell.“
Und wie bei einem Paartanz hat Geßler die entsprechende rhetorische
Gegenbewegung parat:
„Du liebst das Seltsame – drum hab ich jetzt
Ein eigen Wagstück für dich ausgesucht.
Ein andrer wohl bedächt sich – Du drückst
Die Augen zu und greifst es herzhaft an.“
Ist Geßler ein irrwitziger Bösewicht? Seine Idee mit dem Apfelschuß
ist keine einsame Geburt teuflischer Bosheit. Tell hat sich ja passend,
samt Armbrust und Sohn, angeliefert. Und auf beide Mitbringsel ist Verlaß.
Die Erinnerung meiner Frau an ihre Schullektüre war zwar stark selektiv,
aber nicht falsch: Der kleine Walter mischt bei diesem Spiel tüchtig
mit. Geßler sieht die Armbrust und spricht sie an. Aber Tells Sohn
bringt den Apfel, als Ziel ins Spiel und drängt auf den Vollzug von
Geßlers Forderung:
„Walter:
(...) ‘nen Apfel schießt
Der Vater dir Vom Baum auf hundert Schritte.
(...)
Sagt wo ich hinstehen soll, ich fürcht mich nicht,
Der Vater trifft den Vogel ja im Flug,
Er wird nicht fehlen auf das Herz des Kindes.
(...)
(...) Denkt Ihr, ich fürchte
Den Pfeil von Vaters Hand? Ich will ihn fest
Erwarten, und nicht zucken mit den Wimpern.
Frisch, Vaterm zeigs, daß du ein Schütze bist.
(...)
Vater schieß zu, ich fürcht mich nicht.
Es muß!“
Welcher Kerl, der das Herz auf dem rechten Fleck hat, wollte jetzt nicht,
daß Tell zeigt, wozu er fähig ist. Man müßte doch
eine Art Unmann sein, um den Schuß nun noch verhindert sehen zu
wollen.
Allein im Fernsehen, im Öffentlich-Rechtlichen, in einem Sketch der
Quiz-Sendung EWG, Einer Wird Gewinnen, ist dies einmal gewagt worden.
Dort in der ARD habe ich an einem Samstagabend vor vielen Jahren den Versuch
gesehen, eine Sabotage des Schusses in Szene zu setzen. Geßler,
gespielt von dem begnadeten Showmaster Hans-Joachim Kulenkampf, verlangt
nach einem Apfel. Alles rennt und sucht. Aber ein Apfel ist, vielleicht
spielt die Jahreszeit nicht mit, nirgends aufzutreiben. Zuletzt kriechen
Geßler und Tell gemeinsam suchend durch Gestrüpp und Unterholz.
Auch Tell wird von Kulenkampf gespielt und schließen knallt man
im Schluß-Gag der Szene, auf allen Vieren, recht schmerzhaft und
scherzhaft mit den Köpfen, mit demselben Kopf, zusammen.
Im Drama aber hat Gott, der Vater aller Väter, hat Friedrich Schiller
auch in der Natur für das Nötige gesorgt:
„Berta:
Scherzt nicht, o Herr! mit diesen armen Leuten!
(...)
Geßler:
Wer sagt Euch, daß ich scherze?
(Greift nach einem Baumzweig, der über ihn herhängt)
Hier ist der Apfel?“
Geßler scherzt nicht, nur mich trieb die erneut unerträgliche
heroische Schönheit der Szene dazu, mich entlastend an ihre Veralberung
zu erinnern. Es ist zum Herzerweichen vortrefflich gebaut, wie sich Tell
und sein schwarzes Double Geßler die Bälle zuspielen.
Der Schuß ist kurz.
Aber das Vorspiel kostet lange aus, wie einmalig grauenhaft schön
es ist, sein Männerleben zu riskieren, Und weil man dieses Leben
gar nicht so toll, weil man es eigentlich längst nicht mehr toll
genug liebt, setzt man dazu das Leben des Sohnes mit auf die heroische
Karte.
Der Schuß ist dann leider arg kurz.
Das ist technologisch bedingt. Die Armbrust, die erste echte Fernwaffe,
die auch über hunder Schritt und mehr einen nahezu linearen, einen
‚bolzengeraden’ Schuß, fast ohne Bogenneigung, erlaubt,
zwingt zu dieser Kürze. Erst der Film vermag Projektile in der ganzen
mörderischen Schönheit ihres Flugs zu zeigen. Auf der Bühne
ist Tell mit diesem Sekundenbruchteil allein. Die Tollkühnheit des
Durchziehens, das schwarze Loch bis der Apfel fällt, alle verpassen
den Höhepunkt der Tat. Aber danach sind sie sogleich wieder verständiges
Publikum, mitsinnende Öffentlichkeit, ja sogar eine Art Nachwelt:
„Leuthold:
Das war ein Schuß! Davon
Wird man noch reden in den spätsten Zeiten.
Rudolf der Harras:
Erzählen wird man von dem Schützen Tell.
Solang die Berge stehen auf dem Grunde.“
Solang die Berge stehen auf dem Grunde? Das wäre eine übermenschliche,
eine übervernünftige Dauer, die geologische Permanenz des Heldenruhms.
Aber auch falls hier nur die künstlichen Berge, die Pappmachée-Alpen
der deutschsprachigen Schaubühnen gemeint sein sollten, währte
die versprochene Geltung wunderbar lang. Dreimal wird Tell in der Apfelschußszene
von Geßler auf seine „Kunst“ angesprochen. Und zweimal
nennt der Bösewicht, der seinen Helden am besten kennt, Tell einen
Meister.
Die Meisterschaft dieses Künstlers zeigt sich darin, daß er
den Tod durch einen perfekten Schuß, durch einen Schuß ins
Herz zu bringen vermag. Man darf dies wörtlich und übertragen
nehmen. Wörtlich - denn Tell wird seinen Geßler in einem Akt
nachgetragener Innigkeit durch einen Herzschuß zur Strecke bringen:
„Tell:
Daß meines nächsten Schusses erstes Ziel
Dein Herz sein sollte – Was ich mir gelobt
In jenen Augenblickes Höllenqualen,
Ist eine heilge Schuld, ich will sie zahlen.“
Der Herzschuß ist aber zudem ein herzlicher Schuß, ein Todeskuß
von ganzem Herzen.
Mit Geßlers Ermordung in der hohlen Gasse bei Küßnacht
aber stirbt auch der Tell des Apfelschusses. Armbrustlos erscheint er
bei seiner Familie und gibt recht penetrant den Biedermann, der alles
nur erzwungen oder schielend auf das Gemeinwohl getan haben will. Die
tollkühne Grandiosität, die Lust am Spiel mit dem eigenen Leben
und mit dem Leben des Liebsten, das innige Zwiegespräch mit dem bösen
Partner, die Freude am gerade noch vermiedenen und dann am vollzogenen
Mord, alles scheint vergessen, Filmriß nach einem ungeheuren Rausch.
Ein gutes Jahr bleibt Schiller nach Vollendung und erfolgreicher Uraufführung
des Tell im Frühjahr 1805 noch zu leben. Viel davon verbringt er
fiebrig im Bett oder von Unterleibsschmerzen gefoltert auf dem Nachtstuhl.
Das Projektil Wilhelm Tell ist jedoch auf gutem Weg. Der todkranke Schütze
hat keine Muße dem Bolzen hinterherzuschauen. Stattdessen versucht
er, die Armbrust noch für ein weiteres heroisches Geschoß zu
spannen. Bis zuletzt, bis ihm die Sehne reißt, arbeitet er, der
auch sterbenselend noch potentiell Tollkühne, an einem neuen Drama.
Ein allerletztes Mal Tell.
Tell vor seinem Liebesschuß auf Geßler im Monolog an seine
Armbrust:
„Mein teures Kleinod jetzt, mein höchster Schatz –
ein letztes Ziel will ich dir geben,
Vertraute Bogensehne die so oft
Mir treu gedient hat in der Freude Spielen, verlaß mich nicht
Nur jetzt noch halte fest, du treuer Strang,
der mir so oft den schönen kühnen Pfeil beflügelt
Etnränn er jetzo kraftlos meinen Händen,
Ich habe keinen weiteren zu versenden.“
(Als Vortrag gehalten in Marbach am 12.Mai 2006) |