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Kindheit
war was sie ist
Roman unserer
Kindheit |
Katrin
de Vries
Kindheit war was sie ist
Kindliches Sein sei kindliches Sein.
Und Kindheit ist Kindheit.
Erwachsenes Sein sei erwachsenes Sein.
Und Erwachsenheit ist Erwachsenheit.
Aber dann ist unser tagtägliches Erwachsen sein so trist. Und so
mißgünstig. Und so begierig. Die Kindheit wars. So sagt der
Zeitgeist. Die Schlimme Kindheit hat das Erwachsen sein so trist und mißgünstig
und begierig werden lassen.
Und so wird die Schlimme Kindheit hineingesogen in unser tagtägliches
Erwachsen sein. Und dieser Sog ist ganz außerordentlich verführerisch.
Unser tristes mißgünstiges begieriges Erwachsen sein ergötzt
sich an dieser Verführung. So darf es sich hineinbegeben in seine
Tristesse. Darf voller Mißgunst sein. Darf sich in seiner Begierde
suhlen.
Das Bewusstsein altert nicht.
Das Bewusstsein ist ohne Zeit.
Nur der Körper altert.
Und so klammert sich der alternde Körper an das alterslose Bewusstsein
seiner Schlimmen Kindheit.
Und so bläht sich in dem alternden Körper der triste mißgünstige
gierige Geist auf.
Und über die Augen des alternden Körpers legt sich ein grauer
Schleier. Die Fenster zur Seele verfinstern sich.
So erzählen die herrschenden mündlichen und schriftlichen Lebenserzählungen
so vieler Männer und Frauen von der Schlimmen Kindheit.
Aber dies ist nicht wichtig. Dies ist sogar ganz und gar unwichtig.
Es ist der Zeitgeist. Es ist nur unser herrschender Zeitgeist. Bald wird
er seine Gestalt ändern.
Erwachsenes Sein sei erwachsenes Sein.
Und Kindheit wird Kindheit.
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