Kindheit war was sie ist
Roman unserer Kindheit

Katrin de Vries

Roman unserer Kindheit

Unserer Kindheit.
Also Ihre Kindheit. Eure Kindheit. Seine Kindheit. Deine Kindheit. Meine Kindheit.
Wie kann das sein. Ihre eure seine deine meine Kindheit.
Eine jede und ein jeder hat die je eigene Kindheit. Hat die je eigene Mutter. Den je eigenen Vater. Und hat die je eigene Umgebung mit den je eigenen Spielen Plätzen Dingen. Und den Erfahrungen.
Immer sind die Erfahrungen andere.
Und immer sind die Folgen der Erfahrungen andere.
Und doch ist der „Roman unserer Kindheit“ ein Roman über unsere Kindheit.
Wie kann das sein.
Es sind nicht die je eigenen Spiele Plätze Dinge Erfahrungen.
Aber es ist die Wahrnehmung der je eigenen Spiele Plätze Dinge Erfahrungen.
Es ist die kindliche Wahrnehmung der je eigenen Spiele Plätze Dinge Erfahrungen.
Und diese kindliche Wahrnehmung ist allumfassend.
So war da unser Kinderblick.
Es war unser aller Kinderblick.
Wir alle hatten denselben Kinderblick.
Wir alle blickten so deutlich.
Wenn wir blickten so blickten wir.
Und da war unser Fühlen.
Wir alle fühlten so deutlich.
Wenn wir fühlten so fühlten wir.
Und da war unser Riechen.
Wir alle rochen so deutlich.
Wenn wir rochen so rochen wir.
Und da war unser Schmecken.
Wir alle schmeckten so deutlich.
Wenn wir schmeckten so schmeckten wir.
Und da war unser Hören.
Wir alle hörten so deutlich.
Wenn wir hörten so hörten wir.
Alles war immer ganz da.
Wir waren immer ganz da.
Unsere Wahrnehmung umfasste die ganze Welt. Immerzu. Und überall. In jeder Wespe. In jedem Blatt.
Unser kindliches Sein war allumfassend. War allumfassend im Glück als auch im Unglück. Im Guten als auch im Bösen.
Am Ende entlässt uns der „Roman unserer Kindheit“ ganz behutsam.
Zu Tränen gerührt blicken wir noch einmal und noch einmal aus immer größer werdender Entfernung auf die Gestalten.
Zu Tränen gerührt fühlen wir unser allumfassendes kindliches Sein.
Es ist nicht verloren.
Es ist immer noch da.
Es mag verdeckt sein. Und manchmal mag es völlig verdeckt sein.
Aber es ist immer noch da.
Wir haben es gerade gesehen und gefühlt und gerochen und geschmeckt und gehört.
Und es ist uns ein solcher Trost.